Sieg der Kleingeistigen und Ängstlichen…

Die Schweiz hat entschieden. Und dies so deutlich und klar, dass ich meine Blogging-Lethargie überwinde und meine Gedanken zum Resultat der „Minarettinitative“ öffentliche kundgeben muss. Ich hoffe, dass ich mich durch diesen fast schon „therapeutischen“ Akt beruhigen kann. Ich bin ein sehr politischer Mensch und war bei vielen Diskussionen mit Leib und Seele dabei, aber so aufwühlend wie dieses Resultat habe ich keine Abstimmung mehr seit dem EWR Nein erlebt. Es geht mir weniger um die Minarette und die Islam-Debatte. Was mich viel mehr beschäftigt ist eine Denkweise, welche mit dieser Abstimmung definitiv sein grandioses Comeback gibt…

Das Mindset des kleingeistigen und ängstlichen Kleinbürgers mit Minderwertigkeitskomplexen war latent immer in der „Volksseele“ der Schweiz tief verwurzelt. Nun also ein regelrechter flächendeckender Ausbruch. Die Zeichen waren in den letzten Jahren vermehrt aufgetreten. Die Angst vor den Deutschen, die Angst vor den bösen Rumänen und Bulgaren, die Angst überollt zu werden, die Angst sich zu öffnen, das Bedürfniss sich gegen alles und jeden abzugrenzen, die Angst von der bösen Jugend, die grundsätzliche Angst vor neuem, das immerwährende Gefühl von der bösen Welt (WTO, EU, USA, Libyen, Juden, Illuminati…) kontrolliert zu werden, war immer wieder spührbar und hatte in den letzten Jahren massiven Aufwind. Dieses Gedankengut ist im grundegenommen völlig unschweizerisch. Die Schweiz entstand gerade als Gegenmodell dieser Denkweise. Die Gründung der der Eidgenossenschaft war ein äusserst mutiger und sehr innovativer Schritt welcher eine tolerante, offene (insbesondere wirtschaftlich) und zukunftsgläubige Schweiz propagierte. Dieses Modell wird je länger desto mehr untergraben. Die gesellschaftliche und politische Schweiz lebt immer mehr von der Vergangenheit. Aus Angst vor der Zukunft wird auf Stellstand gesetzt. Dies ist fatal für die Schweiz. Und wenn es eine Ursache für den Niedergang der Schweiz geben wird, dann ist es diese rückwärtsgerichtete Denkweise.

Die Schweiz muss endlich in der heutigen Welt ankommen. Wir müssen uns nicht fremdbestimmen lassen; auch können wir unsere Kultur behalten. Wir können anders sein, wir können uns abgrenzen, wir können eigene Modelle entwickeln und durchsetzen. Diese Modelle müssen aber strikt unserem offenen, toleranten und liberalen (und hier meine ich gesellschaftlich und wirtschaftlich) Credo ausgerichtet werden. Dieses Credo hat uns erfolgreich gemacht. Besonders bedenklich ist es, wenn dieses Credo durch die bürgerlichen und „liberalen“ Parteien torpediert wird. Wenn wir uns von diesem Credo verabschieden, dann wird die Schweiz verlieren!

Wenn der „Kleingeist“ nun mit Angstmacherei, latenter Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz angereichert wird, dann kommen Volksentscheide zustande, welche der Schweiz unwürdig sind. Ich habe keine zu grossen Bedenken, dass diese Abstimmung zu grossen wirtschaftliche und aussenpolitische Probleme mit sich bringen wird. Nach einer ersten mehr oder weniger heftigen Welle werden sich die Wogen wieder glätten. Was mich aber verunsichert ist der fehlende Wille die Schweiz mutig und zukunftgerichet weiterzuentwickeln. Das Schweizervolk hat heute eindrücklich zu erkennen gegeben, dass es sich lieber einigelt und ängstlich in die Ecke stellt.

Eine Antwort auf „Sieg der Kleingeistigen und Ängstlichen…“

  1. So ein Wahlsonntag schafft es doch tatsächlich, einem die gute Laune zu verderben.

    Es scheint, als ob sich keine, oder nur wenige mündige Bürger die Mühe gemacht haben, sich selbst Gedanken zu Ursache, Massnahmen oder Folgen dieser Kampagne zu machen, sondern blind und von Emotionen getrieben, ein stumpfsinniges ‚Ja‘ in die Urne gelegt haben.

    Wer sich schon mal dahingehend Gedanken gemacht hat, dass Ursachenbekämpfung nicht die Lösung eines Problems ist, weiss, dass es tiefgründigere Lösungsansätze braucht um die sogenannten ’schleichende Islamisierung der Schweiz‘ in den Griff zu bekommen. Wenn sie denn eine wäre .. aber lassen wir das.

    Abschliessend kann gesagt werden, dass aus so viel Naivität nur weiteres Potential für ‚Dödel-Abstimmungen‘ entstehen kann.
    Zukünftig sehe ich uns schon an der Urne stehen, um unser ‚Ja‘ zur Initiative „Nein, zu Dürüm, Falafel und Gyros‘ einzuwerfen.

    Schweiz, was kommt als nächstes … ?

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