Und die Swisscom geht an…?!

Heute war also der erste offizielle Schlagabtausch zur Swisscom Privatisierung. Der Nationalrat ist nicht auf den Entscheid des Bundesrates eingetreten. Die Swisscom bleibt somit hauptsächlich im Besitz der Eidgenossenschaft. Da Ergebnis war abzusehen. Dies hat mehrere Gründe:

1. Das Geschäft wurde misserabel vorbereitet. Das ganze Desaster begann schon mit dem ersten Auftritt des Bundesrates zu diesem Vorstoss und hatte den Ursprung in einem unsäglichen Kindergarten zur Swisscom Strategie. Wenn in der Privatwirtschaft so stümperhaft mit wichtigen Geschäften (hier geht es immerhin um 17 Mia. , damit könnte man nochmals eine Neat bauen) umgegangen würde, wäre ein Köpferollen unausweichlich. Kommunikation auf Primarschulniveau; aber dazu vielleicht ein anderes mal.

2. Es wurde nicht genügend auf die Stimmung und die Ängste im Volk eingegangen. So hatten die konservativen Standeserhalter leichtes Spiel. Ein von der Welt abgeschnittenes Seitental da, dort ein zweites Grounding und schon war der Mist geführt.

3. Wirschaftlicher Fortschritt und Marktwirtschaftlilches Denken ist böse. Diese Grundstimmung gewinnt immer mehr an Bedeutung. Nicht ganz unschuldig sind hier die Wirtschaftskapitäne mit ihren, sagen wir mal, nicht nachvollziehbaren Gehaltswünschen, welche dann auch noch gegenseitig schulterklopfend bewilligt werden.

Ich bin aber felsenfest davon überzeugt, dass die Swisscom privatisiert werden muss. Dies aus folgenden Gründen:

1. Die technische Entwicklung in den nächsten Jahren wird so massiv auf unsere täglichen Kommunikationsgewohnheiten einfluss haben, dass ein Unternehmen extrem dynamisch reagieren muss. Die Branche ist im Umbruch. Telefonieren wird in 5-10 Jahren gratis sein, andere Kommunikationswege werden immer wichtiger. Ein gewöhnlicher „Telefonanbieter“ wird in wenigen Jahren einen Grossteil seiner Umsatzbasis verlieren, wenn nicht rechtzeitig reagiert wird. So wird der ganze Fixnet Bereich in wenig Jahren einfach gegen Null gehen. Wir sprechen hier von einem Bereich, der letztes Quartal noch einen Umsatz von 1.28 Mia. gemacht hat (-7% im Vergleich zum Vorjahr). Diese Tendenz wird steigen. Es gebe noch etliche Beispiele, welche diese These erhärten würden. Dazu in einem späteren Beitrag.

2. Die Swisscom muss rasch entscheiden können und auch unternehmerisches Risiko eingehen können. Wenn jede Investion gleich mit dem Scheitern der Swissair in Bezug gestellt wird, können wir den Laden zumachen. Dann passiert nichts mehr.  So kann man nicht erfolgreich wirtschaften. Risikobereitschaft ist ein wesentlicher Bestandteil eines erfolgreichen Unternehmens.

3. Der klassische Kommunikationsbereich wird an Bedeutung verlieren. Ich kommuniziere (inkl. bester Videoverbindung) fast wöchentlich nach New York. Ein alter Schulkollelege hält regelmässig Kontakt zu all seinen Freunden und das aus Seoul. Und das alles gratis und ohne Service Public (mein Unwort des Jahres 2004 und 2005 und 2006). Telefonkabinen werden langsam aber sicher zu Museumsstücken mit Nostalgiewert.

4. Solang jeder Anbieter in der Schweiz an ein griffiges Telekommunikationsgesetz (inkl. Breitbandanschluss) gebunden ist und klare Leistungsaufträge vergeben werden (übrigens ein Riesengeschäft) ist eine reibungslose Kommunikation 100 % gewährleistet. Dies gilt auch für das Hinterschanfigg.

5. Der Staat kann kein Unternehmen führen. Das geht einfach nicht. Das hat noch nie funktioniert und wird auch nie funktionieren. Was passiert, wenn halbprivate Institutionen unter der Leitung des Staates erfolgreich sein möchten, sieht man im Gesundheitswesen. Inkompetenz, Mauscheleien und Machenschaften, sowie insbesondere Ineffizienz in Reinkultur.

6. Konkurrenz beflügelt das Geschäft. Es ist absolut illusorisch und nicht nachvollziehbar, wie man argumentieren kann, der Swisscom-Verkauf vernichte massenweise Arbeitsplätze. Das Gegenteil wird der Fall sein. Eine weitere Marktöffnung wird die Branche beflügeln. Es ist ein Wachstumsmarkt, aber nur dann wenn man genug Dynamik hat sich dem Markt zu stellen. Dies hat die Swisscom heute nicht und wird es in Zukunft immer weniger haben, wenn nicht reagiert wird. Und wenn die Privatisierung nicht rasch kommt, so werden erst recht Arbeitsplätze zerstört. Dieser Prozess ist übrigens bereits im Gange.

7. Sicherheitspolitische Bedenken sind lächerlich. Die Swisscom und die Schweizer Armee entkoppeln ihre Netze schon seit Jahren. Dieser Prozess wird noch weiter beschleunigt. Die Schweizer Armee wird die Swisscom bald nicht mehr brauchen.

So das wär’s zu diesem Thema. Meine provokative Schlussthese: Wird die Swisscom nicht bis in 3-5 Jahren vollkommen privatisiert, so wird es zu einem weiteren Grounding kommen. Nicht heute oder morgen. Aber mit 2 Mia. kommt die Schweiz dann nicht mehr weg.

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